Wo einst die Schlucht von Babyn Jar das Land aufbrach, wurde sie mit Schweigen und Vergessen gefüllt. Die natürliche Topographie – stumme Zeugin des Unvorstellbaren – verschwand unter dem Willen zweier Regime: Das eine vernichtete Menschen, das andere die Erinnerung an sie. Heute sind keine oberirdischen Spuren mehr sichtbar.
Der Entwurf für das Babyn Yar Holocaust Memorial Center liest diesen verwundeten Ort wie ein Palimpsest. Er gräbt sich behutsam in die verschüttete Geschichte und schichtet zugleich neue Bedeutung auf: Wer in die Erde blickt, sieht die Vergangenheit – wer zum Himmel schaut, erkennt die Zukunft.
Drei Raumfolgen verweben sich entlang der verlorenen Topographie. Der Park der Empathie führt durch dichtes Gehölz und stille Erfahrungsräume in einen Zustand innerer Wachsamkeit. Das Memorialzentrum selbst erscheint als Leuchten im Wald – ein vielschichtiger Baukörper, in dem vertikale Einschnitte und Leerräume Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sichtbar verbinden. Die Ausstellung liegt unter der Erde, dort, wo einst die Sohle der Schlucht verlief. Darüber schwebt eine Wolke der Reflexion – Lernort und Auditorium – und ganz oben öffnet sich ein Dachgarten als Ort des Vertrauens. In seiner Erde wachsen Pflanzen aus allen Nationen, die der Holocaust berührt hat.
Der jüdische Friedhof schließlich tritt als stilles, leeres Feld hervor – ein klarer Raum der Erinnerung, in dem Vergangenheit und Gegenwart durch eine Linie aus tausend Kalksteinblöcken zugleich getrennt und verbunden sind.

